Anja Müller lächelt die neue Kollegin musternd an. Sieht ganz nett aus. Es wundert sie nicht, dass ihr Chef die Jüngste und Hübscheste unter den Bewerberinnen ausgesucht hat. Als sie die Unterlagen aus dem Briefumschlag gezogen hatte, ist ihr gleich das Gesicht auf dem kleinen Passbild aufgefallen. Es stach aus den eingesandten Bewerbungen heraus, schon wegen der ausgefallenen Frisur: bis zu den Ohren fast kahl rasiert, aber auf dem Kopf eine wuschelige blonde Lockenpracht. Auf die inserierte Stelle als Rechtsanwaltsgehilfin kamen nur wenige Rückmeldungen. Um diese schlecht bezahlte Anstellung in der Kleinstadt `kurz hinterm Deich` reißen sich die Leute nicht gerade. Wenn sie sich recht erinnert, kommt die Neue aus Sachsen. Na ja, da ist sie wohl froh, überhaupt eine Arbeit gefunden zu haben. Soll da ja recht übel sein mit der Arbeitslosigkeit.
Herr Krutke legt den Arm an die Taille der Neuen und schiebt sie sanft zu Anja herüber.
Die steht auf und streckt die Hand zur Begrüßung aus.
“Hallo Fräulein Reins. Herzlich willkommen!”
“Hallo Frau Müller, nennen sie mich bitte Peggy. Fräulein Reins ist so förmlich.”
“Gern, dann bin ich Anja für dich.”
Etwas unwohl ist ihr zwar schon. Die Neue ist ja noch ein Küken, sie könnte Anjas Tochter sein. Anfang Zwanzig und Anja ist knapp vierzig, aber wenn man mit drei Frauen den ganzen Tag aufeinander gluckt, dann kann es kein “Sie” geben.
“So, komm erst mal mit, ich zeige dir, wo du dich aufhängen kannst. Trinkst du Kaffee, oder vielleicht Tee? Weißt du, hier trinken die meisten Tee.” Sie hebt fragend die Augenbrauen.
“Hmm…also eigentlich eher Kaffee, aber ich kann mich anpassen. Bloß wegen mir muss das nicht sein.”
Peggy merkt, dass der Blick der netten Frau zu ihrer Frisur hoch geht, sie schielt demonstrativ nach oben.
“Bitte sagen sie nicht, dass es aussieht wie ein Vogelnest. Das muss ich mir schon oft genug anhören.” Als sie dazu ein entwaffnendes Lächeln zeigt, zerbricht das Eis im Lachen der beiden Frauen.
Anja zeigt Peggy die Büroräume des Anwalts und die kleine Küche, in der sie ihren Tee kochen und manchmal auch einen kleinen Mittagssnack zubereiten.
“Rauchst du? Du müsstest dann immer hierher kommen. Ute verträgt das nicht. Ute, ähh…Frau Sörensen, ist Halbtagskraft. Sie kommt immer von Mittwoch bis Freitag, ist ganz nett. Eigentlich haben wir es hier ganz prima.”
Warum Anja unbewusst diese Einschränkung mit “eigentlich” macht, wird sich für Peggy erst einige Tage später eröffnen.

Langsam dreht sich Rechtsanwalt Krutke in seinem Kippsessel mit hoher Rückenlehne. Seine Gedanken kreisen um einen Fall, in dem ein Hauseigentümer seinen Nachbarn wegen einem Garagenanbau verklagt, der seiner Meinung nach zu nahe an der Grundstücksgrenze steht.
Konzentriert formuliert er seinen Satzbau und lässt die Blicke durch das Büro schweifen. Da klopft es an der angelehnten Zimmertür und die junge Reins schaut fragend zur Tür rein.
“Kommen sie nur rein. Was ist?”
“Ich will nur die Posteingänge sortieren.”
“Ja, machen sie ruhig.”
Und schon wieder ist er im Gedanken dabei, dem Nachbarn seines Mandanten das örtliche Baurecht zu erklären. Er hat aufgehört sich in seinem Sessel zu drehen, statt dessen verfolgt er unbewusst die Tätigkeit der Blondine, die auf seinem Schreibtisch einzelne Schreiben in die Akten einsortiert. Sie trägt eine sommerliche kurze Bluse und einen engen Rock aus Lederimitat, der sich über ihre Hüften spannt. Da sie genau neben dem Anwalt am Schreibtisch steht, spiegelt sich die durchs Fenster scheinende Sonne vor ihm auf dem Hintern des Mädchens. Er verfolgt den glänzenden Lichtfleck, wie er je nach der Haltung der Rockträgerin, über Nähte und Kurven wandert. Krutke plappert leise Sätze vor sich hin und fasst geistesabwesend nach dem schwarzglänzendem Po.
Erschreckt spürt Peggy die Hand und stellt sich auf.
“Herr Krutke! Was tun sie da?”
“Oh.! Entschuldigung, das war unbewusst.”
Peggy will gerade zu einem Lächeln ansetzen, weil sie sich über den zerstreuten Mann amüsiert, da reagiert der aber plötzlich ganz unerwartet. Statt nun seine Hand zu entfernen, streichelt er seelenruhig weiter und spricht zu ihr, als würde er einem kleinen Kind das Bild vom Bauernhof erklären.
“Wissen Sie, das sollten Sie nicht so eng sehen. Wir sind hier ein kleiner Betrieb und ich brauche ab und zu einen kleine Ablenkung. Ihre Kolleginnen sehen das auch nicht so verkrampft. Das ist nicht böse gemeint, ist ja auch nichts Ernstes.”
“Ich will das aber nicht!”
Verärgert von der sachlichen Art des Anwalts eine Frechheit zu rechtfertigen, schiebt sie die Hand energisch von sich.
Krutke nimmt die Hände vor sich auf der Brust zusammen und schaut Peggy mit hochgezogenen Augenbrauen gekünstelt erstaunt an.
“Ach! So wollen das nicht? Nun dann ist es wohl besser, wenn sie uns wieder verlassen und irgendwo in einem Kittel Fischgräten rausfummeln.”
Kalt sieht er in ihre geschockten Augen und lässt seine Worte wirken.
“Aber vielleicht ist es besser, Sie überlegen sich das erst noch einmal. Reden Sie mit ihren Kolleginnen.”
Und schließlich setzt er der Sprachlosen noch in bester Anwaltsmanier eine Frist.
“Gehen sie jetzt erst mal raus. Entweder ich habe bis übermorgen ihre Kündigung auf dem Tisch oder Sie legen ihre zickige Art ab, Sie verstehen mich? Schließen Sie die Tür beim Rausgehen.”
Peggys Kopf zuckt nervös und unschlüssig. Mit zittrigen Händen legt sie die restlichen Schreiben in den Eingangskorb und geht aus dem Raum. Im Rücken spürt sie die scharfen Blicke des Anwalts.
Sie hat kaum die Tür hinter sich geschlossen, da fällt sie fast mit dem Rücken gegen die Wand und lässt schnaufend die Luft aus dem verspannten Körper.
Anja Müller sieht zu ihr, der Stift in ihrer Hand sinkt langsam auf das Papier. Es ist nicht schwer für sie zu erraten, was eben geschehen ist.
“Hat er dich angefasst?”
Peggys Kopf ruckt herum, mit böse funkelnden Augen starrt sie Anja an.
“Es ist wahr. Du hast das gewusst. Der Chef begrabbelt die Frauen.”
Deutlich sieht man, wie sich die Angesprochene auf ihrem Stuhl windet.
“Ja, aber es ist ja nicht so schlimm, meist legt sich das Interesse, wenn….”
Peggy kann es nicht fassen. Kopfschüttelnd geht sie auf ihre Kollegin zu und unterbricht sie in der Rechtfertigung.
“Nicht so schlimm? Hey, hier geht es ums Prinzip! Und was heißt `das Interesse legt sich` ?”
Die Hände in die Hüften gestemmt wartet sie auf eine Antwort.
“Na, nun bist du neu und damit ganz reizvoll. Bei Ute war das auch so am Anfang, das hat sich dann nach ein paar Wochen gelegt. Könnte aber auch damit zusammenhängen, dass sie sich jetzt ganz komisch anzieht.” Kichernd hält sie sich die Hand vor den Mund.
“Ich kann es nicht fassen. Warum hast du mir das nicht gleich gesagt, als ich die Zusage bekommen habe? Jetzt bin ich hierher gezogen, habe mich für die Einrichtung der neuen Wohnung und das Auto verschuldet, meine Freunde in Chemnitz und die Familie hinter mich gelassen. Ich kann doch jetzt nicht kündigen. Dann bekomme ich nicht mal Arbeitslosengeld. Verdammt ich war doch erst fast ein Jahr ohne Arbeit!”
Enttäuscht und frustriert setzt sie sich auf einen leeren Stuhl und lässt den Tränen freien Lauf.
Anja schluckt und sieht schuldbewusst auf den Boden. Verkrampft fummelt sie an ihrem Kugelschreiber.
“Was hätte ich denn tun sollen? Bei einer Unbekannten anrufen und sagen `Hey, lehnen Sie die Stelle ab. Herr Krutke befummelt die Angestellten.` Das geht doch nicht. Hätte ich das denn tun sollen?”
“Ja verdammt! Genau das hättest du tun sollen!” Vorwurfsvoll sieht Peggy sie aus verweinten Augen an.

Abends um neun klingelt das Telefon im sechsten Stock eines Plattenbaus in Chemnitz. Das Ehepaar im Wohnzimmer sieht gemeinsam vom Fernseher weg zur Tür in den Flur, wo der Apparat zum zweiten Mal schrillt. Der Mann im Sessel sieht bittend zur Frau, die sich daraufhin vom Sofa aufmacht. Er lächelt dankbar, macht es sich bequem und widmet sich wieder dem Film. Obwohl er ein weites Sweatshirt trägt, kann man das Spiel der gewaltigen Muskeln am Oberkörper verfolgen. Die Frau schiebt sich die blonden Locken zurecht und hält den Apparat an das Ohr.
“Reins”
“Hallo Mama, ich bin ´s.”
“Hallo Peggy!”
Frau Reins freut sich die Stimme ihrer Tochter zu hören. Jetzt ist sie seit vier Monaten weg und sie fehlt ihr immer mehr. Obwohl sie schon einundzwanzig ist, bleibt sie immer noch ihre Kleine.
“Wie geht es dir denn? Wann kommst du mal wieder nach Hause?”
Die Antwort kommt etwas zögerlich. “Mir geht es gut. Ich würde ja gern kommen, aber ich traue mich nicht mit dem alten Auto und Bahnfahren ist so teuer.
“Brauchst du Geld? Sollen wir dir etwas Geld schicken?”
“Nein, so war das nicht gemeint. Ich komm schon klar, kann halt nur erst mal nicht kommen. Wie geht es Sina?”
“Sie ist wieder ganz in Ordnung. Sie will wissen, wann die Tante sie mal wieder besucht. Dein Bruder lässt dich auf jeden Fall grüßen. Aber erzähl von dir. Warst du schon mal auf der Nordsee? Auf Helgoland, oder so? Das wolltest du doch so gern.”
“Ja, ich war schon mal unterwegs….”
Langsam kommt Peggy in Fahrt und das Gespräch dauert so lange, dass der Hörer am Ende sehr warm geworden ist. Nach einer herzlichen Verabschiedung legt Christine Reins den Hörer auf und geht zurück ins Wohnzimmer. Mit ernster Stimme spricht sie ihren Mann an.
“Da stimmt was nicht.”
Sofort hat sie die ganze Aufmerksamkeit ihres Mannes. Er setzt sich auf und schaltet den Ton des Fernsehers aus. Obwohl er seit zwei Jahren als Offizier der Volksarmee und später der Bundeswehr im Ruhestand ist, hat er die Fähigkeit behalten, innerhalb von einer Sekunde voll leistungsbereit zu sein. Ob es Nacht oder Tag ist, ob er eben erwacht oder betrunken ist.
Erwartend sieht er seine Frau an, die nachdenklich an der Regalwand lehnt.
“Sie war so komisch am Telefon. Ich muss hin.”
“Gut. Wann fahren wir?”
“Nein, lass mal. Ich glaube es ist besser, wenn ich allein fahre. Sie hat da ein Problem, das sie allein nicht geregelt bekommt. Ich muss wissen was da los ist.”
Sorgenvoll sehen sich beide Eltern an. Mutter Reins wird ihre Tochter schnellst möglichst besuchen, ob Peggy will oder nicht.

3. “So, nun aber. Was ist hier los Peggy?”
Christine Reins ist sehr geschickt. Sie hat diese Frage stundenlang vorbereitet. Obwohl sie schon am Bahnhof in Emden spürte, dass hier tatsächlich etwas nicht in Ordnung ist, hat sie sich die Frage verkniffen. Sie weiß genau, dass die Antwort auf eine solche Frage heute Mittag nur ein unschuldiger Blick und Schulterzucken gewesen wäre. Inzwischen sind Mutter und Tochter wieder warm geworden. Nach einer ausgiebigen Stadtführung und einem kleinen Einkaufsbummel sitzen die Beiden bei einem heißen Kakao zusammen. Das Cafe ist ein umgebautes Feuerschiff, durch die Butzenfenster kann man auf das Wasser der Ems sehen, das in die nahe Nordsee fließt.
“Ach, nichts ist….”
“Hör auf. Ich merke das doch. Was ist los? Das ist doch nicht nur Heimweh. Sind die Kolleginnen biestig?”
“Nein, die sind ganz nett.”
“Also der Chef?”
Peggy senkt den Kopf und weicht den Blicken der Mutter aus.
“Was ist los?” Als die Tochter schweigt, ahnt Frau Reins Fürchterliches und hakt sie nach. “Was macht er? Hat er dir weh getan?”
Gereizt greift sie nach Peggys Oberarm und sieht ihr ernst in die Augen.
“Er ..er fasst mich immer an.”
Totenblass bohrt die Mutter immer weiter, ihre Hand zieht unerbittlich am Oberarm des Mädchens.
“Was noch? Sag schon!”
“Ich….ich musste ihm einen blasen.”
Nun kann Peggy die Maske nicht mehr hoch halten. Weinend bricht sie am Tisch zusammen, ihr Kopf fällt auf dem Tisch in die Arme.
Fassungslos lässt die Mutter den Arm los und sieht auf das Häufchen Elend vor ihr.
“Das Schwein! Wenn dein Vater das hört, bringt er ihn um…Warum bist du da noch? Hast du ihn angezeigt?”
Erschreckt sieht Peggy hoch.
“Nein. Warum denn? Ich habe es doch freiwillig getan. Ich brauche den Job! Du weißt doch, dass ich fast ein Jahr Arbeit gesucht habe und extra hierher gezogen bin. Ich kann da nicht schon wieder weg!”
Ungläubig sieht Frau Reins ihr in die verweinten Augen. Das kann doch nicht wahr sein? Sie will bei dem Kerl bleiben?
“Peggy. Du wirst eine andere Stelle bekommen.”
“Ach ja? Mit meinen Zensuren und einem Zeugnis, wo drin steht, dass ich meine Aufgaben nicht erledigt habe? Oder besser erwähne ich in der Bewerbung gleich, dass ich meinen letzten Chef wegen sexueller Belästigung angezeigt habe! Mama, wer wird mich da noch anstellen?”
Fragend legt sie den Kopf schräg und sieht die Mutter verbittert an. Fassungslos und stumm sitzt die da und weiß nicht, was sie ihrer Tochter jetzt sagen soll. Still steht sie auf, geht sie um den Tisch herum und nimmt sie in die Arme.
Okay, wenn Peggy keine Polizei will, soll sie es so haben. Aber tatenlos wird Mutter Reins das nicht hinnehmen. Wer ihrem Engel einen Schaden zufügt, braucht eine Lektion und sie hat da schon eine Idee, wer ihm die erteilen wird…

Der Flur liegt im Halbdunkel. Durch die angelehnte Tür auf der rechten Seite scheint flackerndes Licht heraus. Kaum erkennbar sind mehrere Schwarzweißbilder an den Wänden zu erahnen. Am Ende des Flurs fällt der Blick in ein Zimmer. Dort steht im Lichtkegel einer Stehlampe ein bequemer Armsessel, daneben ein kleiner Tisch mit modernem Telefon, an dem ein Lämpchen rot leuchtet.
Aus dem Raum hinter der Tür sind Stimmen von zwei Frauen zu hören, die scharf zu einer dritten Person sprechen, dazwischen ertönen klatschende Geräusche und gedämpftes Stöhnen.
Am Telefon erklingt eine elektronische Melodie. Die Geräusche aus dem Zimmer ersterben, nur noch ein leises Stöhnen, mehr ein Ächzen, dringt heraus. Der Anrufbeantworter springt an und der Lautsprecher läuft mit.
“Hello. Welcome to The fountain of pain. Speak now!”
Mit einem kurzen Piep endet die Ansage.
“Anna? Anna, hier ist Christine. Ich brauche deine Hilfe….Ich bin bereits in Amsterdam, wohne im ´Hoek van Holland` . Bitte melde dich bei mir sobald es geht. Tschüssi.”
Als die Anruferin aufgelegt hat und sich das Gerät abschaltet, sprechen die beiden Frauen im Zimmer mit dem Flackerlicht wieder.
“Wer war das?”
“Eine alte Freundin. Das besprechen wir später. Zuerst müssen wir diesen Ketzer erziehen!”
Ein lautes Klatschen zeugt von einem heftigen Schlag, das sofort mit einem ersticktem Schrei quittiert wird. Es hört sich an, als würde der Geschlagene ein Handtuch vor dem Mund haben.

Krutke geht noch mal die Einkaufsliste durch, die ihm seine Frau heute morgen mitgegeben hat. Jeden Freitagabend nach der Arbeit besorgt er die großen und schweren Einkäufe. Genervt hat er ihr das angeboten, da er mit diesem Zugeständnis die Anschaffung eines Zweitwagens abbiegen konnte. Wozu braucht sie schon ein Auto? Sie haben den Mercedes und das muss reichen.
Fast liebevoll sieht er zu seiner dunkelgrünen Limousine, die im Parkhaus auf dem reservierten Dauerplatz abgestellt ist. Schon aus einigen Metern Entfernung öffnet er die Türen des Fahrzeugs durch einen Impuls seiner Fernbedienung. Gerade als er die Tür öffnet und seinen Aktenkoffer auf den Rücksitz legen möchte, stürmen von rechts und links zwei Gestalten auf ihn zu. Verwirrt versucht er noch nachzuvollziehen, woher die beiden kamen, da haben sie ihn schon umklammert und ein feuchtes Tuch drückt sich über Mund und Nase. Merkwürdigerweise fühlt der Anwalt keine Furcht, er ist nur völlig erstaunt, dass ihn jemand entführen will. Er hat doch kein großes Vermögen – oder hat da einer Wind von dem Schwarzgeld in Österreich bekommen? Das weiß nicht einmal seine Frau. Mit dieser Frage vor Augen verliert der Anwalt die Kraft in den Beinen und sackt bewusstlos zusammen.
“Wach auf!”
Eine Hand tätschelt an seiner Wange. Langsam öffnet er die Augen und sieht verschwommen einen Raum im Kerzenlicht. Halb betäubt schließt er die Augen wieder und windet sich. Sofort spürt er seine eingeschränkte Bewegungsfähigkeit. Er kann den Oberkörper zwar anhaben, aber ein Ruck am Hals und das Klirren einer Eisenkette stoppt ihn abrupt. Sofort sind seine Augen wieder offen und langsam durchdringt sein Blick die Nebel um ihn. Jetzt spürt er auch die Fesseln an seinen Handgelenken. Schnell ertastet er die Form von Handschellen. Langsam dreht er sich herum und hockt sich hin, den Kopf an der kurzen Kette, eine Armlänge über der Öse am Boden.
“Wo bin ich?” Ungläubig sieht er sich um.
Er fühlt sich in das Verlies einer mittelalterlichen Burg versetzt. Eben noch war er im Parkhaus des Bürogebäudes und nun scheint er im Folterkeller der Inquisition gelandet zu sein. Mühsam dreht er den Kopf über der Halskette. Er kann nicht sehen, was da um seinen Hals liegt, aber instinktiv denkt er an einen Eisenring, der ihn unerbittlich in der Beuge hält. An den groben Steinwänden schimmert Feuchtigkeit im Licht der Kerzen und einiger Öllampen. Der Boden scheint aus großen Steinplatten zu bestehen. Verschiedene Vorrichtungen und Geräte stehen im Raum verteilt, die ihn an Folterwerkzeuge aus einem Museum erinnern. Manche Konstruktion ist ihm völlig unverständlich. Nur langsam kommt er mit etwas Phantasie dahinter, was ihr Zweck ist. Die angebrachten Schellen helfen ihm manchmal sich vorzustellen, wie ein Mensch darauf gehört. Langsam versucht er sich auf Knien um die Bodenöse zu drehen, um auch hinter sich zu sehen, da ruckt es schmerzhaft an seinen Hoden. Erst jetzt bemerkt er schockiert, dass er nackt ist. Mit wild schlagendem Herz sieht er unter sich hindurch zwischen seine Beine. Tatsächlich, er ist völlig nackt und um seine Hoden liegt eine breite Eisenschelle, die ebenso wie die Halsfessel über eine Kette am Boden fixiert ist. Mit Panik meint er zu wissen, was passiert ist. Er wurde von irren Sadisten oder Satanisten entführt, die ihn foltern und umbringen werden.
“Ahhh! Wo bin ich hier? Verdammt lasst mich!”
In einer Mischung aus Angst und Wut schreit er los., bis ein schmerzhafter Schlag auf seinen nackten Hintern ihn unterbricht.
“Schnauze! Du redest nur wenn du gefragt wirst.”
“Was fällt Ihnen ein? Ich werde ..”
Zack, ein weiterer, sehr viel heftigerer Schlag trifft seinen Hintern, doch schlimmer ist der Ruck an seinen Hoden. Instinktiv ist er hochgeruckt, als der Schlag ihn traf. Ihm ist, als hätte er einen Tritt zwischen die Beine bekommen. Wimmernd sackt er mit dem Unterkörper zusammen. Zu dem quälendem Dröhnen, das seinen ganzen Unterbauch erfüllt, mischt sich ein Brennen auf der Haut seines Hintern, wo sich für ihn unsichtbar die Form eines Schlagpaddels als roter Fleck abzeichnet.
Zusammengekrümmt wartet er darauf, dass der Schmerz nachlässt. Durch die roten Wolken, die durch seinen Geist ziehen, nimmt er kaum wahr, dass jemand um ihn herum geht. Das Klacken von hohen Absätzen.
“Du bist in Antacazio. Du bist hier, weil dir der Glaube fehlt.”
In Krutkes Gehirn arbeitet es. Also eine Wahnsinnige, oder eine Sekte hat ihn entführt. Vorsichtig versucht er auf ihr Spiel einzugehen.
“Also ich bin in der Kirche, aber ich gehe wohl zu wenig zum Gottesdienst.”
Neugierig windet er seinen Kopf, um an den geschnürten Lackstiefeln hochzusehen, die in seinem Blickfeld erschienen sind. Die Stiefel enden erst am Oberschenkel, darüber ein enganliegender, schwarzer Ledereinteiler, der bis zu den Brüsten geht. Der Kopf ist unter einer Seidenhaube mit Augenschlitzen versteckt, auf der in Halshöhe ein Symbol eingestickt ist, dass ihm bekannt vorkommt. Irgendwie bringt er es mit dem Urlaub in Frankreich in Verbindung. Die Arme der Frau stecken in ellenbogenlangen Handschuhen. In der einen Hand schwingt sie etwas, das aussieht wie eine Mischung zwischen Fliegenpatsche und Tischtennisschläger.
Eine Domina! Ganz eindeutig, das ist eine Domina. Genau so sehen sie in den Heften und Pornofilmen aus, die er sich manchmal heimlich ansieht. Also doch keine Sekte?
Trotz der Seidenkapuze kann er sie sehr gut verstehen.
“Du Dummkopf. Es geht hier nicht um deinen Glauben zu irgendeinem Gott, sondern es geht um die Überlegenheit des weiblichen Geschlechts.”
In Krutkes Kopf purzeln wieder alle Theorien durcheinander. Feministen! Er ist in der Hand von militanten Feministen. Was soll er jetzt darauf antworten? Am besten erst mal gar nichts.
“Glaubst du an die Überlegenheit der Frauen?”
Der Nackte kann schwach das Gesicht der Frau unter dem dünnen schwarzen Stoff erahnen. Wieder arbeitet es in seinem Kopf.
“Ja. Ich glaube an eure Überlegenheit. Ich habe die Frauen immer verehrt.”
Ein leises Kichern kommt unter der Haube hervor.
“Tzz..Tzz.. nicht nur ein ungläubiger Frauenfeind, sondern auch noch ein erbärmlicher Lügner und Opportunist. Aber damit habe ich ja gerechnet. Nun, wir werden etwas Zeit miteinander verbringen und du wirst dazu lernen.”
Langsam geht sie um ihn herum, die Patsche schwingt leger in ihrer Hand. Ängstlich verfolgt der Anwalt ihren Weg, bis sie rechts aus seinem Blickfeld verschwindet. Jeden Augenblick erwartet er weitere Schläge mit der merkwürdigen Patsche und nimmt sich vor den Hintern eisern still zu halten. Aber der Augenblick der höchsten Anspannung geht vorüber, als die Stiefel wieder links von ihm auftauchen.
“Hast du auf einen neuen Hieb mit der Patsche gewartet” fragt die Domina höhnisch und lacht leise.
“Das ist doch nur zum Aufwärmen. Ist dir inzwischen warm genug? Ich denke ja.”
Sie geht mit schwingenden Hüften an einen Tisch, der vor ihm an der Wand steht. Das Paddel wirft sie achtlos darauf und nimmt eine lange Gerte herunter, die sie sogleich mit einem Sirren durch die Luft sausen lässt. Ängstlich verfolgt der Mann das Geschehen mit aufgerissenen Augen, wenn sie damit zuschlägt, wird er nicht still sitzen bleiben können, das geht gar nicht! Verzweifelt sieht er nur Hoffnung im Betteln.
“Warten Sie doch, ich will mich ja bessern und mich auch bemühen, zukünftig immer freundlich und zuvorkommend gegenüber allen Frauen zu sein. Bitte.!”
“Nein, das hat keinen Zweck. Du bist wankelmütig und hast keine Prinzipien. Die einzige Sprache die du verstehen wirst, ist Schmerz und Disziplin!”
Ihre Stimme ist mit jedem Schritt, mit jedem Wort schärfer und drohender geworden. Schon ist die Kapuzenfrau wieder aus seinem Blickfeld verschwunden, da knallt die Gerte auf seinen tiefen Rücken, direkt unter den Handfesseln. Dem Angekettetem ist, als würde er einen Stromschlag bekommen. Blitzschnell wandelt sich der Schmerz des Schlages zu einem Brennen, als würden Dutzende Nadeln in seinem Rücken stecken.
“Aaahhhhh!” Krutke brüllt seine Qual heraus.
“Brüll nur, du minderwertiges Miststück. Hier hört dich niemand.”
Und wieder saust die Gerte nieder, diesmal einige Zentimeter weiter unten, parallel zum letzten Schlag. Krutke ruckt erschreckt hoch, reißt mit Wucht an dem Hodenring, so dass wieder die roten Wolken vor seinem Geist hochziehen wie der Sonnenuntergang an einem dunklen Wintertag.
Kurz vor der Bewusstlosigkeit sackt er zusammen, peinigend frisst etwas in seinem Unterleib. Dunkel kommt ihm ein Gedanken. Wenn das so weitergeht, werde ich mir hier die Eier abreißen.
“Was ist denn? Du bist doch so stolz darauf, ein Mann zu sein? Kannst du nicht paar Schläge ab? In vielen Ländern der Welt schlagen Männer ihre Frauen ganz legal jeden Tag wegen Kleinigkeiten. Da wirst du doch sicher einsehen, dass das hier sein muss. Schließlich hast du ernsthafte Probleme mit deiner Einstellung.”
Lässig steht sie hinter dem hockendem Mann und sieht auf die zwei Streifen, die sich rot auf seiner Haut abzeichnen. Sie lässt ihm etwas Zeit zum Beruhigen, derweil erinnert sie sich an das, was ihr von dem Anwalt berichtet wurde. Ihr Gesicht verfinstert sich und langsam und sie holt zum nächsten Schlag aus, sorgfältig gezielt, wieder parallel zum Letzten, bis sich irgendwann ein schönes Streifenmuster auf seinem haarigen Hintern abbilden wird….

Wimmernd liegt Krutke auf der Seite, zusammengekrümmt soweit es die beiden Ketten zulassen. Aus seinen Augen rollen Tränen. Die Domina legt die Gerte auf den Tisch und stöckelt langsam vor dem Mann entlang.
“Du wirst sicher einsehen, dass das sein musste. Es ist ja mehr als nur Strafe, es ist Erziehung. Erziehung muss dazu führen, dass Strafe nie wieder nötig sein wird. Denn wohl erzogene Menschen handeln niemals so, dass sie nochmals bestraft werden müssten.”
Die Philosophie der Frau dringt nur verschwommen in des Anwalts Geist. Kurzeitig erinnert er sich an die Behandlung der Strafe im Studium, dann bekommt wieder das Pochen im Unterleib seine Ganze Aufmerksamkeit. Die wunden Stellen an Handgelenken, Hals und Hintern sind zweitrangig. Als er plötzlich Hände an seinen Genitalien spürt, zuckt er ängstlich zusammen. Was kommt nun?
Man öffnet ihm die Hodenschelle und ein nasses Tuch wird aufgelegt. Dankbar seufzt er.
“Upps…ist etwas blau geworden, aber das gibt sich wieder.”
Die Domina kichert hinter ihm zu ihrer Feststellung und hält kühlend das Wischtuch mit kaltem Wasser an ihn.
“So nun werden wir langsam zum zweiten Teil deiner Erziehung kommen.”
“Bitte keine Schläge mehr..” Der Anwalt sieht flehend zu der hinter ihm hockenden Domina.
“Nein, nein. Das Kapitel ist abgeschlossen. Das nächste Kapitel würde ich überschreiben mit `Wie vergewaltige ich einen Mann?`.”
Der Anwalt hört aufmerksam zu. Die Schmerzen verlassen ihn langsam und sein analytischer Geist will angreifen. Das geht doch gar nicht, wie will sie denn gegen meinen Willen….Halt! Wie viele Kapitel gibt es in diesem kranken Machwerk denn noch?
“Mach nicht so ein dummes Gesicht. Du denkst das geht nicht? Es gab mal ein Buch von Märta Tikannen `Wie vergewaltige ich einen Mann`, aber das kennst du sicher nicht.”
“Irrtum, ich habe es zwar nicht gelesen, aber ich habe davon gehört. Das wird bei mir nicht klappen.”
Ironisch grinst die Domina unter ihrer Seidenhaube. “Wir werden sehen. Hast du schon mal Hasch geraucht.”
Wie aus der Pistole geschossen antwortet der Anwalt. “Nein, natürlich nicht, das ist verboten.”
“Ach? Bei so was achtest du darauf, ob es erlaubt ist?”
Fieberhaft überlegt er, was sie wohl meint. Das Schwarzgeld? Die Fahrerflucht letztes Jahr, als er zuviel getrunken hatte? Ja, das muss es sein. Damals wurde eine Frau verletzt. Ist sie das?
“Ich habe mir das aber schon fast gedacht, deshalb möchte ich dir ja auch die Freude machen und dich mal richtig entspannen lassen. Freu´ dich drauf, es hilft auch gegen die Schmerzen.”
Sie steht auf und geht wieder an den Tisch. Dort greift sie nach etwas und kommt mit ihrem schwingende Gang auf den hochhackigen Stiefeln zurück. In den Händen einen dicken Joint. Sie steckt ihn sich zwischen die Lippen und zündet ihn mit einem Feuerzeug an. Mit einem tiefen Zug raucht sie die Droge an und hält ihn dem liegendem Mann hin. “Hier, zieh mal.”
“Nein ich will nicht!” Krutke dreht den Kopf weg.
“Oh! Haben wir das mit der Disziplin noch nicht gelernt? Na dann muss ich mir überlegen, ob du mehr Schläge brauchst oder ob ich dir auf andere Art und Weise etwas `Scheiß-egal` einflöße. Was hältst du von Lachgas durch einen Nasenschlauch? Das ist aber viel unangenehmer und übrigens auch gefährlicher. Könnte ja sein, dass du ´nen Herzklabaster bekommst.” Abwartend hält sie den rauchenden Joint vor sein Gesicht.
Der Anwalt überlegt fieberhaft. Bloß keine Schläge mehr. Und die Sache mit dem Gas macht ihm auch Angst. Was die im Krankenhaus immer für einen Zirkus mit Anästhesie machen, das ist nicht ungefährlich. Die Irre wird ihn noch umbringen.
Zögernd geht sein Kopf vor und er nimmt die Haschzigarette in den Mund. Ein unsicherer erster Zug – die ersten Eindrücke. Es schmeckt anders als seine Feierabendzigarre. Irgendwie süßer…oder muffiger?
“Na wer sagt es denn, es geht doch. Nun rauch mal schön auf und immer schön auf Lunge, nicht paffen! Inzwischen kühle ich deine Ostereier noch etwas.” Schelmisch kichernd geht sie wieder hinter ihn und drückt den Wischlappen zwischen seine Beine.
Nach einigen Zügen beginnt der Gefesselte heftig zu husten und die unförmige Zigarette fällt aus seinem Mund. Krutke schließt die Augen, ihm wird übel und die Welt scheint sich plötzlich zu drehen. Er dreht sich herum, bis die Halskette klirrend spannt. Ein dünner bunter Nebel steigt auf, als würde man durch eine dreckige Sonnenbrille sehen. Eine zweite Person taucht auf. Der Anwalt kneift die Augen zusammen um besser sehen zu können, aber die Schlieren sollen nicht vergehen. Das scheint auch eine Frau zu sein. Zusammen mit der Domina löst sie die Halsschelle. Krutke erkennt nun, dass es tatsächlich ein Metallring ist. Gemeinsam helfen sie ihm auf. Überrascht stellt er fest, dass er in den Knien einknickt. Ohne die Frauen, die ihn stützen und zu einer Art Tisch, oder Streckbank führen, würde er hilflos zusammenknicken. Nur kurz schleicht sich die Idee zur Flucht ein, die er sofort wieder vergisst. Er würde nicht einmal den Weg zur Tür allein finden. Wo ist bloß diese verdammte Tür?
Sie legen ihn seitlich auf das Holz und machen sich an den Handschellen zu schaffen. Krutke bemerkt, dass sein Kopf auf der Platte aufschlägt, merkwürdigerweise dringt da nur ein dumpfes Klopfen durch – kein Schmerz. Er wird auf den Rücken gedreht. Die Frauen ziehen die Arme nach oben und schließen die Manschetten um seine Handgelenke. Als wäre er völlig unbeteiligt, verfolgt der Anwalt das Geschehen. Teilnahmslos schaut er sich die zweite Frau an, weil sie ihm doch bisher so unbekannt ist. Sie scheint jünger zu sein und im Gegensatz zur Domina völlig nackt – aber eine Seidenhaube trägt sie auch.
“Wie heißen Sie?” Meine Güte, was für eine dumme Frage! Krutke kichert los. Das Ganze macht langsam Spaß.
Amüsiert sehen sich die Frauen an und schließen die Halterungen der Fußgelenke. Die Nackte stellt sich zur Körpermitte des Gefesselten und fasst nach seinem schlaffen Schwanz, während die Domina zum Kopfende kommt und sich wieder mit Krutke unterhält.
“Du sagst, du hast von dem Buch gehört. Du erinnerst dich dann sicher daran, dass es dort um eine Vergewaltigte geht, die es ihrem Vergewaltiger heimzahlen möchte. Er macht sich über sie lustig, bis es ihr gelingt ihn tatsächlich gegen seinen Willen zu missbrauchen.”
Ganz nebenbei zündet sie einen neuen Joint an und steckt ihn dem Anwalt zwischen die Lippen. Nachdem er einen Zug genommen hat, nimmt sie ihn wieder heraus, um den Mann antworten zu lassen. Schwerfällig und schlapp kommen seine Worte.
“Ja, aber es gelingt ihr nur zufällig. Sie hat es mit Befummeln und Pistole versucht, aber er bekam keinen Steifen gegen seinen Willen. Erst als sie wütend mit einem Seil auf ihn eingedroschen hat, regte sich was bei ihm. Damit werdet ihr bei mir aber keinen Erfolg haben. Ich bin kein Masochist.”
Die Domina hört ihm interessiert zu. Sie hätte nicht gedacht, dass der Anwalt so gut Bescheid weiß. Wieder steckt sie ihm den rauchenden Stengel in den Mund und eröffnet ihm ihre Pläne.
“Nun, das mag sein, obwohl ich mir da nicht so sicher wäre. Aber wir machen das heute ganz anders, denn da du nun so richtig entspannt bist….” theatralisch fächert sie die Qualmwolken mit der Hand weg. “….wirst du dich nicht groß wehren können, auch wenn du willst. Guck mal da….”
Mit ihrem Kopf nickt sie zu Krutkes Unterleib, wo sich sein Schwanz in der Hand der nackten Frau schon erhoben hat. Erschrocken sieht der Anwalt an sich herunter. Tatsächlich kommen die bekannten wohligen Gefühle aus dem Unterbauch.
“Scheiße! Ich will nicht, lasst mich in Ruhe!” Etwas kraftlos windet er sich in den Fesseln.
Die Domina geht einen Schritt weiter und beobachtet, was die andere Frau tut. Sie mustert den fast steifen Penis und wendet sich an die Nackte.
“Mehr kommt da wohl nicht, ist halt ein alter Schlappschwanz. Wir helfen etwas nach.”
Sie geht kurz zum Seitentisch und kommt mit einem Gummiring wieder, den sie zwischen den behandschuhten Fingern dehnt.
“Damit klappt es sicher.”
Krutkes Empfindungen gehen ziemlich durcheinander. Einerseits brennt ihm der Hintern immer noch gewaltig, dann will er weg von dieser irren Kidnapperin. Andererseits macht ihn das aber jetzt doch etwas an – aber er will nicht! Verzweifelt zwinkert er mit den Augen um den Schwindel und die vielen Farben loszuwerden. Hilflos muss er mit ansehen, wie ein Kondom über seinen Penis gestreift und ein Gummiring um die Schwanzwurzel gelegt wird. Die letzten Züge der Haschischzigarette haben ihn doch ziemlich abgehoben. Er kann kaum verstehen, was die beiden Frauen nun sagen, aber scheinbar sind sie mit dem Ergebnis ihrer Arbeit nun ganz zufrieden. Das gestaute Blut vor dem Gummiring lässt seinen Schwanz mächtig wachsen. In Krutkes Augen wird er fast einen halben Meter lang und mächtig wie ein Unterschenkel. Zweifelnd schüttelt er den Kopf. Das kann doch nicht sein? Wie ein außenstehender Beobachter sieht er zu, dass die nackte Frau erst etwas masturbiert und sich dann auf seinen Unterleib setzt. Langsam führt sie seinen Schwanz ein und stützt sich seine Brust. Mit glasigen Augen verfolgt er das Geschehen. Zwischen umherfliegenden bunten Wolken und küssenden Engeln meldet sich ein kleiner glatzköpfiger Mann in Anwaltsrobe und blättert in einem Buch.
“Also was haben wir denn hier: Geschlechtsverkehr wider den Willen unter Ausübung von Gewalt und bewusstseinverändernden Drogen. Das ist eine Vergewaltigung Kollege.”
Krutke schüttelt wieder den Kopf. Und brabbelt los. “Das ist ein Straftatbestand gem. Strafgesetzbuch Paragraph….” Der Rest geht in einem Stöhnen unter – er ist gekommen.
Anna, die Domina sieht zufrieden in das Gesicht des Mannes.
“Okay. Der ist jetzt völlig stoned und glücklich. Los runter.”
Sie hilf ihrer Zofe beim Heruntersteigen, dann nimmt sie vorsichtig das Kondom vom schrumpfenden Schwanz. “Hier nimm mit und leg es in den Fußraum von seiner Karre. Fahr den Wagen dann zum Hafenviertel und stell ihn irgendwo ab, wo er schnell gefunden wird.”
Eilig macht die Zofe einen Knoten und verschwindet mit dem Gummi in der Hand aus dem Raum.
Die Domina holt eine Decke und legt sie über den gefesselten Mann, dann dreht sie seinen Kopf zur Seite. “So, nun werde erst mal wieder klar.”
Sie verlässt kurz den Raum und kommt einige Minuten später zurück. Sie hat sich einen leichten Mantel übergeworfen und etwas zu lesen mitgebracht. Anna ist grob, vielleicht brutal, aber keine Mörderin. Wenn sich der Anwalt doch noch übergeben sollte, muss jemand zur Stelle sein, sonst besteht Erstickungsgefahr. An einem versteckten Schaltpult wählt sie den CD-Spieler an und klappt ihr Buch auf. Aus versteckten Lautsprechern dringt Frankie goes to Hollywood mit “Welcome to the pleasuredome”. Prüfend sieht sie zu dem Schlafenden, im Gesicht spiegeln sich seine Träume. Er scheint schöne Erlebnisse zu haben, seinem zufriedenem Grinsen nach zu urteilen.

“Lassen sie mich endlich frei verdammt noch mal! Und dann können sie sich schon mal warm anziehen. Freiheitsberaubung, Körperverletzung und Vergewaltigung. Da kommen einige Jahre Knast auf sie zu. Und da sitzen härtere Kaliber als so eine Klu-Klux-Klan-Domina. Sie werden da tagelang fremde Fotzen auslecken können.”
Der Anwalt ist wieder voll da und spuckt Gift und Galle. Wütend ruckelt er an seinen Fesseln. Er ist aufgewacht, als die beiden Frauen ihn zu einer Art Pranger geschleift haben. Ein Pranger besonderer Art. Krutke steckt mit Hals und Handgelenken auf einmeterzwanzig in der Holzschere, seine Kniekehlen sind breitbeinig direkt am Holzrahmen mit dicken Lederschnallen fixiert. So steht er vorgebeugt vor der Holzwand, mit Kopf und Armen schaut er sozusagen `hindurch`. Der Hintern steht aberwitzig ab.
Genervt wiegt Anna den Kopf. Mit dem Kerl hat sie sich einen harten Brocken eingefangen.
“Du hast es immer noch nicht gelernt, was? Du hast hier nichts zu sagen, das solltest du dir für die Zukunft langsam merken.” Verärgert lässt die Domina wieder ihre Gerte sprechen. Über die fast vergangenen Rötungen der alten Schläge bildet sich eine neue Linie aus. In ihrer Wut hat sie so fest zugeschlagen, dass die Haut an einer Stelle etwas aufgeplatzt ist.
“Uupps.. Na so was, das tut mir aber leid.” Schelmisch kichert sie zum Jammern ihres Opfers.
“Aua…aua…so hören sie doch endlich auf. Ist ja gut, ich will auch keine Widerworte mehr haben.”
“Aha. Willst du nun endlich folgsam sein und die Überlegenheit der Frauen anerkennen?” Fragend schaut die Domina um den Holzpranger herum.
“Ja..Ja…ich will, ich tu ´s. Aber hören sie auf zu schlagen.”
“Okay. Den Willen hast du nun – aber ein Wille kann geändert werden. Jetzt bekommst du den Abschluss deiner Erziehung. Zofe bereite ihn vor.”
Krutke wird hellhörig. Was passiert denn nun? Neugierig und etwas ängstlich verfolgt er die Geräusche hinter sich und fährt überrascht zusammen, als jemand seinen Hintern berührt. Er versucht sich wegzudrehen, aber die Knieschellen halten ihn unerbittlich fest. Ein Finger drückt sich an seinen Anus. Verzweifelt presst er die Backen zusammen. Er wird puterrot.
“Nein. Igitt, wie widerlich, was seid ihr für perverse Schweine!”
“Ja meinst du, du hättest schon alle Empfindungen einer Vergewaltigung miterlebt? Das vorhin, war doch ein Vergnügen für dich. Du hattest zwar Sex gegen deinen Willen, aber du kennst noch nicht das wahre Gefühl von körperlichem Schmerz und Entwürdigung.”
Während sie zu Krutke spricht, schließt sie die Schnallen an dem Umschnalldildo, der nun wie ein Dorn von ihrem Unterleib absteht. Die Zofe bemüht sich immer noch die Gleitcreme in seinen Anus zu pressen.
“Es geht kaum Herrin, er drückt so fest zu.” Mit holländischem Akzent beschreibt sie ihren Misserfolg.
“Dann vergiss es, er ist selbst schuld!”
Anna schiebt die Zofe zur Seite und setzt mit der Hand den Dildo an.
“Jetzt wirst du gefickt. Jetzt bekommst du das ganze Gefühl!” Mit diesem Aufschrei wirft sie sich nach vorn und schiebt den Kunststoffdildo weit in den Hintern hinein.

“Ahh…..Oh Nein…oh Nein..”
Stöhnend hängt der Anwalt an der Holzwand. Er fühlt sich, als hätte jemand ein Messer durch seinen Schließmuskel getrieben. Klagend über diese quälende Entwürdigung sinkt er in sich zusammen. Er widersetzt sich nicht mehr, mit geschlossenen Augen lässt er nun alles über sich ergehen. Immer wieder stößt die Frau nun den Gummischwanz in ihn. Er fühlt deutlich das Vor- und Zurückgehen des Dildos.
“Herrin, schaut doch!”
Kichernd zeigt die Zofe auf den steil stehenden Schwanz des Anwalts. “Es gefällt ihm. Das gefällt ihm!”
Anna stöhnt ungläubig. So war das nicht gedacht, das war nicht Zweck der Sache!
“Oh Mann! So, du bist kein Masochist? Na warte!”
Sie hämmert nun mit ihrem ganzen Körpergewicht vor. Krutkes Hals schabt sich im Holzloch wund.
Er kann es selbst nicht fassen, was da mit ihm geschieht. Laut stöhnend ist ihm auf einmal, als würde er vor Geilheit platzen. Immer wieder stößt er zu den Fickbewegungen laute Lustrufe aus, bis er das Zucken kommen spürt und abspritzt.
“Er kommt Herrin, er kommt gerade”
Auf die Rufe der Zofe, zieht Anna sich schnell zurück und greift nach der Gerte.
“Du Miststück, du findest das geil gefickt zu werden? Dann sollst du auch das Salz in die Suppe bekommen.” Frustriert drischt sie auf den nackten Hintern vor sich, jetzt bilden sich ein rotes Karomuster. Aus dem zuckendem Schwanz des vor Schmerz schreienden Mannes tropft Sperma auf den Boden.

Rechtsanwalt Krutke wacht langsam auf. Vor dem Bett stehen zwei Personen in weißer Kleidung. Eine Krankenschwester und ein Arzt. Sie unterhalten sich in einer Sprache, die er nicht versteht. Er hört den beiden still weiter zu und sieht sich um. Tatsächlich, er liegt in einem Krankenbett. Zögernd meldet er sich zu Wort.
“Hallo? Wo bin ich? Verstehen sie mich?”
“Ah, wie schön. Guten Morgen Herr Krutke. Sie sind im Stadtkrankenhaus.” Der Arzt spricht in holprigem Deutsch mit deutlich holländischem Akzent.
“Wie komme ich hierher? Bin ich krank?”
Arzt und Krankenschwester sehen sich kurz an, dann antwortet wieder der Arzt auf Krutkes Frage.
“Sie wurden gestern früh vor dem Reijksmuseum gefunden, bekleidet mit einem ausgestopften BH, Damenbluse und einer Perücke.”
Der Mann im Bett muss erst sortieren. Reijksmuseum, ich bin in Amsterdam. Was hatte ich an? Er schluckt und fragt nach. “Sonst hatte ich nichts an?”
“Nein, sonst hatten Sie nichts an. Aber sie hatten eine Handtasche bei sich mit einigen Joints und ihren Papieren. Da wir nicht wussten, ob sie lieber auf der Männer-, oder Frauenstation liegen wollen, haben wir sie vorläufig in ein Einzelzimmer gelegt. Ist das in Ordnung?”
Krutke hält sich die Hand vor das Gesicht. “Mein Gott, wer hat mich so gefunden?”
“Touristen, die haben die Polizei geholt.”
“Oh nein…Krutke möchte im Boden versinken. Ich wurde überfallen und man hat mich unter Drogen gesetzt!”
“Oh, sie müssen sich doch vor mir nicht rechtfertigen.”
“Warum bin ich überhaupt im Krankenhaus? Wegen den Drogen?”
“Ja in erster Linie schon – aber sie haben auch nicht geringe Hautverletzungen und Blutungen im Rektalbereich. Wir mussten das versorgen und desinfizieren.”
“Wann kann ich hier raus?”
“Och, kein Problem. Ihre Frau wurde von der Polizei informiert. Soweit ich weiß, ist sie schon in Amsterdam und holt gerade den Wagen vom Polizeiparkplatz ab. Sie hatten ihn im Ladebereich am Freihafen abgestellt.”
Anna Kerken geht durch die Hotellobby des `Hoek van Holland`.
Sie kannte dieses geschmackvolle Mittelklassehotel bisher noch nicht. Wie auch? In Amsterdam gibt es wohl Hunderte von Hotels. Sie wohnt zwar schon einige Jahre hier, aber Anna hat bisher in anderen Stadtteilen zu tun gehabt. Seit sie den Job als Gefängniswärterin in Berlin verlor, hat sie sich in der Amsterdamer Sexszene ein neues Leben aufgebaut. Jetzt wird sie für Dinge bezahlt, für die sie früher eine Abmahnung bekommen hat – selbst zu DDR-Zeiten.
An einer der Sitzgruppen wartet Christine bei einer Tasse Tee. Erst spät bemerkt sie die Freundin.
“Ah da bist du ja!” Freudig lächelt sie Anna an.
“Hallo Christine.”
Die beiden Jugendfreundinnen umarmen sich kurz, dann kann Christine ihre Neugier nicht mehr zügeln.
“Und? Alles klar gegangen? Hat er sein Fett abbekommen?”
“Ich denke schon. Es war ein harter Knochen, aber ich denke dass er zukünftig braver sein wird.”
Dazu setzt sie ein triumphierendes Lächeln auf.
“Und es wird keine Probleme geben?”
“Wie sollte es? Wie sollen die je auf uns kommen? Nein, ich glaube nicht, dass es da jemals Probleme geben wird. Ich bin noch nicht mal sicher, ob er da groß Anzeige erstatten wird. Schließlich wird dann über Monate alles hochgekocht, das kann er sich mit seiner Kanzlei gar nicht leisten.”
“Na wollen wir hoffen. Ich danke dir auf jeden Fall vielmals!”
“Ist gern geschehen.” Anna lächelt Christine an. “Wir Frauen müssen doch zusammen halten.”

Epilog

“Fräulein Reins?”
“Ja, Herr Krutke?”
Peggy steht von ihrem Schreibtisch auf und schaut durch die offene Tür ins Büro ihres Chefs. Seit dem plötzlichen Kurzurlaub des Rechtsanwaltes ist er wie ausgewechselt. Viel ruhiger und freundlicher. Ja, man kann sagen er ist sogar richtig zuvorkommend.
“Fräulein Reins, was läuft da gerade im Radio?”
Peggy sieht zu ihrem Apparat hin, als würde es außen am Gehäuse stehen.
“Keine Ahnung. Ist was altes. Da ist der Oldiesender drin.”
Am gegenüberliegenden Tisch meldet sich Anja Müller zu Worte.
“Ich glaube ich kenne das! Ist ein Lied von `Frankie goes to Hollywood´, weiß aber nicht wie es heißt. Mögen Sie das Herr Krutke?”
“Nein. Bitte machen sie es aus oder schließen die Tür. Ich hasse das Lied!”

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